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Krankengeld läuft aus: Wie verhalte ich mich richtig?

 

Marco O. aus Wedel traf es ohne Vorwarnung. Ein Schlaganfall setzte den 43-Jährigen von einem auf den anderen Tag außer Gefecht. Für den Maler und Lackierer ein Schock. Sechs Wochen lang zahlte der Arbeitgeber ihm sein Gehalt weiter, die sogenannte Lohnfortzahlung. Danach musste die Krankenversicherung ran – mit dem Krankengeld.

Nach sechs Wochen Lohnfortzahlung kommt das Krankengeld

Gesetzliche Krankenkassen in Deutschland zahlen für eine Erkrankung bis zu 78 Wochen Krankengeld. Gemessen am Bruttoeinkommen entspricht das Krankengeld 70 Prozent des letzten Verdienstes – allerdings höchstens 90 Prozent vom Nettoeinkommen. Es handelt sich also um einen finanziellen Einschnitt, der sich über viele Monate hinziehen kann. Noch schwieriger wird es jedoch, wenn die 78 Wochen auslaufen, die Krankheit aber noch anhält.

Infografik Krankengeld

Marco O. konnte auch nach Ablauf der 78 Wochen seine Arbeit nicht wieder aufnehmen. Wenige Wochen vor dem Auslaufen des Krankengeldes erschien er in der Kreisgeschäftsstelle des SoVD in Pinneberg.

Darauf müssen Sie achten, wenn das Krankengeld ausläuft

Erstens: Prüfen Sie Ansprüche bei der Agentur für Arbeit!

Wenn Sie vor Ihrer Erkrankung wenigstens 12 Monate versicherungspflichtig angestellt waren, haben Sie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I. Das Arbeitslosengeld beträgt im Regelfall 60 Prozent Ihres Nettoentgelts. Sind Kinder im Haushalt, erhalten Sie 67 Prozent.

Das Problem: Wenn Sie Arbeitslosengeld beantragen, müssen Sie sich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Was heißt das aber für Sie, wenn Ihr Krankengeld gerade ausgelaufen ist, Sie aber noch nicht wieder gesund sind. Dann stellen Sie sich dem Arbeitsmarkt „im Rahmen Ihrer Möglichkeiten zur Verfügung“. Andernfalls wird die Agentur für Arbeit nicht zahlen. Es klingt paradox – wenn Sie finanziell jedoch nach Auslaufen des Krankengeldes auf die Leistungen des Arbeitsamts angewiesen sind, ist dies der einzige Weg, an Ihr Geld zu kommen. Übrigens auch, wenn Sie eigentlich noch einen gültigen Arbeitsvertrag haben.

Wenn Sie keinen Anspruch  auf Arbeitslosengeld haben, gilt:

Zweitens: Melden Sie sich beim Jobcenter!

Mit allem, was dazu gehört. Beantragen Sie Arbeitslosengeld II, müssen Sie sich einer Bedürftigkeitsprüfung unterziehen. Das heißt: Sie geben Auskunft über Ihr regelmäßiges Einkommen sowie über Ihr Vermögen. Nur wer tatsächlich bedürftig ist, erhält Arbeitslosengeld II. Das kann dazu führen, dass mitunter Lebensversicherungen aufgelöst oder Ersparnisse aufgebraucht werden müssen.

Drittens: Haben Sie eine Erwerbsminderungsrente beantragt?

Wenn innerhalb der 78 Wochen, in denen Sie Krankengeld erhalten, absehbar ist, dass Sie nicht wieder arbeiten können, kann ein Antrag auf Erwerbsminderungsrente sinnvoll sein. Die gesetzliche Rentenversicherung kann Ihnen Ihre Ansprüche kostenlos ausrechnen.

Viertens: Vorsicht beim Hamburger Modell!

Sollten Sie mit dem Gedanken spielen, an Ihren Arbeitsplatz zurückzukommen, ist Weitsicht gefragt. Viele Angestellte kehren nach längerer Krankheit in kleinen Schritten zurück, beispielsweise über das sogenannte Hamburger Modell.

Was vielen Betroffenen nicht bewusst ist: Selbst wenn Sie im Rahmen des betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM) bereits wieder einige Stunden arbeiten, bekommen Sie in dieser Zeit kein Geld des Arbeitgebers. Sie sind weiterhin im Krankengeldbezug. Mit anderen Worten: Wenn Sie zum Beispiel das Hamburger Modell nutzen möchten, muss dies zu einem Zeitpunkt erfolgen, zu dem noch Anspruch auf Krankengeld besteht. Läuft das Krankengeld aus, ist es zu spät!

Fünftens: Lassen Sie sich nach Ablauf des Krankengeldes nicht in jedem Fall krankschreiben!

Auch das klingt erst einmal widersprüchlich. Hintergrund ist die sogenannte Blockfrist. Innerhalb von drei Jahren zahlt die Versicherung für eine Erkrankung maximal die oben angesprochenen 78 Wochen Krankengeld. Erst wenn diese dreijährige Blockfrist abgelaufen ist, ist es möglich, dass eine erneute Blockfrist beginnt. In dieser können abermals höchstens 78 Wochen lang Krankengeld fließen.

Damit dies der Fall ist, müssen allerdings drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es muss eine erneute Arbeitsunfähigkeit vorliegen – und zwar für dieselbe Erkrankung
  • Es müssen mindestens sechs Monate lang Beiträge zur Krankenversicherung gezahlt worden sein. Entweder durch Erwerbstätigkeit oder durch den Bezug von Arbeitslosengeld
  • Mindestens sechs Monate lang darf keine Arbeitsunfähigkeit wegen dieser Erkrankung vorgelegen haben

Der letzte Punkt erklärt, warum es in diesem Fall wichtig ist, sich nach Auslauf des Krankengeldes nicht lückenlos krankschreiben zu lassen. Und das obwohl sonst stets dazu geraten wird, genau darauf zu achten!

Bei Marco O. lief es am Ende auf eine Erwerbsminderungsrente hinaus. Der Wedeler musste sich im Laufe seiner Leidenszeit zudem mit mehreren unangebrachten Anrufen seiner Krankenversicherung herumschlagen.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein hilft in sozialen Fragen. Wir vertreten unsere Mitglieder bis zum Sozialgericht, zum Beispiel bei Problemen mit der Erwerbsminderungsrente oder dem Behindertenausweis.

 


 

 

Die Kielerin Jutta Kühl ist neue Vorsitzende des Sozialverband Schleswig-Holstein – und damit erste Frau in diesem Amt. Sie tritt die Nachfolge von Wolfgang Schneider an, der Ende August seine Ämter als Landesvorsitzender und Vorsitzender des Kreisverbands Plön abgegeben hat, um sich ganz auf seine Aufgaben als Vizepräsident des SoVD auf Bundesebene zu konzentrieren.

Nachfolgerin von Wolfgang Schneider

Gewählt wurde Jutta Kühl auf einer Sitzung des Landesvorstands in Neumünster. Ihre bisherige Position als stellvertretende Landesvorsitzende übernimmt der Vorsitzende des Kreisverbands Schleswig-Flensburg, Uwe-Dieter May. Nach ihrer Wahl betonte die neue Landesvorsitzende, dass sie sich mit aller Kraft dafür einsetzen werde, die zunehmende soziale Spaltung in unserem Land zu überwinden, um den grundlegenden Idealen des Sozialverbands – Solidarität und soziale Gerechtigkeit – wieder mehr Geltung zu verschaffen.

Jutta Kühl ist seit 1999 im Landesvorstand des SoVD Schleswig-Holstein. 2003 übernahm sie die Funktion der Frauensprecherin und auf der Landesverbandstagung 2015 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Darüber hinaus führt sie seit 1999 den Kreisverband Kiel.


 

Die Frage, warum Beamte, Selbstständige oder Freiberufler nicht in die Rentenversicherung einzahlen müssen, ist so alt wie die Bundesrepublik selbst. In den letzten Jahren hat die Diskussion darüber jedoch an Härte zugenommen. Denn die durchschnittlichen Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung gehen (im Vergleich zu früheren Jahrgängen) immer weiter nach unten. Für die nächsten Jahre wird mit einer deutlich wachsenden Altersarmut gerechnet. Für zukünftige Pensionäre oder  Ärzte in Versorgungswerken sind die Aussichten dagegen gut.

Der Sozialverband Schleswig-Holstein vertritt die Interessen von mehr als 140.000 Menschen. Ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger, für die wir uns jeden Tag in der Sozialberatung einsetzen, sind (zukünftige) Rentnerinnen und Rentner. Diese Menschen müssen aufgrund von Krankheiten im Beruf häufig kürzer treten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Rente später zum Leben nicht ausreicht, nimmt von Jahr zu Jahr zu.

Deshalb sollten zukünftig alle in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen

Das Ziel muss eine Erwerbstätigenversicherung sein. Die Idee dahinter ist ein Rentensystem, in das alle einzahlen. Nicht nur Arbeiter und Angestellte, sondern auch Selbstständige, Angehörige von freien Berufen (zum Beispiel Ärzte oder Rechtsanwälte) und auch die Beamten.

Für diesen längst überfälligen Systemwechsel gibt es zwei Gründe: Erstens würde die gesetzliche Rentenversicherung eine Stärkung erfahren. Aber vor allem geht es um eine gerechtere Form der Altersvorsorge.

Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung

Durch die Bildung einer Erwerbstätigenversicherung würde die gesetzliche Rentenversicherung kurz- und mittelfristig eine große Zahl neuer Beitragszahler gewinnen. Die Herausforderungen des demographischen Wandels für die Rentenversicherung erhielten dadurch eine Verschnaufpause. Mehr aber auch nicht.

Deshalb ist es zwingend erforderlich, zusätzlich die Beitragsbemessungsgrenze aufzuheben. Im Jahr 2017 sorgt dieser Wert dafür, dass Angestellte für maximal 6350 Euro im Monat Beiträge in die Rentenversicherung zahlen. Alles, was darüber liegt, wird nicht zur Beitragszahlung herangezogen. Besonders hohe Einkommen finden sich somit nur teilweise in der Rentenversicherung wieder.

Die später ausgezahlte Rente müsste gleichzeitig nach oben gedeckelt werden – nach dem Schweizer Vorbild, wo alle Einwohner auf ihre kompletten Einkünfte Beiträge zahlen müssen. Auf diese Weise wird verhindert, dass sehr hohe Renten die Finanzkraft der gesetzlichen Rentenversicherung sprengen.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Für Deutschland als Ganzes ist dieser Systemwechsel jedoch aus einem anderen Grund zu vollziehen: Es ist schlicht nicht zu rechtfertigen, warum sich bestimmte Berufsgruppen durch eigene Versorgungssysteme einen „goldenen Ruhestand“ verschaffen, während ein wachsender Teil der Bevölkerung auf immer kleinere Renten angewiesen ist. Die Frage von Gerechtigkeit beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land. Ein Wechsel bei den Ruhestands-Geldern ist deshalb überfällig.

Selbstverständlich ist ein solcher Paradigmenwechsel nur über einen längeren Zeitraum möglich. Jetzigen Beamten, Pensionären und Freiberuflern muss ein Bestandsschutz eingeräumt werden. Die vorgeschlagenen Änderungen können nur für zukünftige Vertreter der angesprochenen Berufsgruppen greifen.

Text: Christian Schulz

SoVD Ortsverband Tangstedt im Kreis Stormarn  | Mail: m.lenth@wtnet.de